TOMB OF OSIRIS IN GIZA

Descent to the first level

This page is currently being translated into English. More pictures coming soon.

Please visit later again.

 

Das Osiris Grab in Gizeh

30 Meter unter dem Felsgestein des Gizeh-Plateaus befindet sich das sogenannte Osiris-Grab (auch Osiris-Schacht). Die Existenz der Anlage wurde von der Fachwelt lange als Hirngespinst Herodots abgetan.
Der griechische Historiker bereiste um 450 vor Chr. Ägypten. In seinem 2. Historienbuch berichtet er von einer Gruft in dem Felshügel, auf welchem die Pyramiden stehen. In dieser Gruft umflute ein künstlicher See eine Insel, worauf Pharao Cheops bestattet sei.
Die mysteriöse Anlage, von der es nur wenige Aufnahmen gibt, befindet sich versteckt unter dem Causeway, der von der Sphinx hinauf zur Chephren-Pyramide führt. Vor einigen Jahren bekam ich die Gelegenheit, die dreistöckige Anlage persönlich zu erkunden.

 

Erste Ebene

Über eine nicht sehr vertrauenserweckende Leiter erreiche ich die erste Ebene in 6 Metern Tiefe. Im hinteren Bereich der 4 x 10 Meter großen leeren Felsenkammer, führt ein weiterer senkrechter Schacht schwindelerregend weit hinunter.

 

Zweite Ebene

Die 5 x 8 Meter große zweite Ebene befindet sich in 18 Metern Tiefe. Sie besteht aus einer Zentralkammer und 7 Felsnischen (siehe Illustration). Anhand von Tonscherben und Knochen-Analysen wurde die zweite Ebene auf die Spätzeit des alten Ägyptens um 500 vor Chr. datiert.
In zwei der sieben Nischen stehen tonnenschwere Granitsarkophage. Im Sarg Nr. 1 / Nische Nr. 2 entdecke ich menschliche Überreste wie Knochenfragmente und Zähne. Der Sarg Nr. 2 / Nische Nr. 5 ist leer. Allerdings versperrt er einen rund 80 x 100 Zentimeter großen Gang, der nach Osten abgeht. Der Sarg wurde mit derart großer Wucht in den Gang geschoben, dass er dabei zu Bruch ging.
Grundsätzlich haben nur autorisierte Personen Zutritt zur Anlage. Warum also versperrt man den Gang? Gibt es dort etwas, das man nicht sehen und erforschen darf?

 

Fragwürdige Datierung

Um 500 vor Chr. wurden Gräber in Ägypten üblicherweise mit Kartuschen, Farb- und Reliefinschriften reichhaltig ausgeschmückt. Im Osiris-Grab gibt es nichts davon. Die kahlen Decken, Wände, Böden und Sarkophage deuten vielmehr darauf hin, dass die Anlage aus einer womöglich sehr viel älteren Epoche stammt. Das Osiris-Grab reiht sich ein in eine Serie von Megalith-Bauten wie die großen Pyramiden und der Sphinx-Tempel in Gizeh, das Osireion in Abydos, oder das Serapeum in Sakkara.

Zu den Fundstücken: Nicht selten wurden Gruften mehrfach genutzt. Nachdem sie von Grabräubern leergeräumt waren, zogen neue ‚Mieter‘ ein. Gut möglich, dass die analysierte Keramik und die Knochen von ‚Nachmietern‘ stammen und nicht von den Erbauern der Anlage.

 

Dritte Ebene

Von der Nische Nr. 7 (zweite Ebene) führt ein 2 x 2 Meter großer Schacht noch weiter hinab in den felsigen Untergrund. Der Abstieg ist ein Abenteuer – die angerostete Leiter wackelt gefährlich. Schliesslich erreiche ich das sogenannte ‚Osiris Grab‘ in 30 Metern Tiefe.
Das einzige Licht stammt von einem alten Bauscheinwerfer und meiner Kopflampe. Ich versuche mich zu orientieren: In der Mitte der weiträumigen Kammer befindet sich – wie von Herodot beschrieben – eine Art See. Darin eine rechteckige Plattform. An den vier Ecken der Plattform sowie an der Decke gibt es Überreste quadratischer Säulen. Druckveränderungen, tektonische Verschiebungen oder ein Erdbeben haben die Säulen offensichtlich zerstört.
In der Plattform ist eine rechteckige Vertiefung eingelassen. Darin eingebettet liegt ein mächtiger Granitsarkophag mit abgerundetem Kopfteil. Ich schätze seine Größe, errechne daraus ein Gewicht von 10 bis 15 Tonnen und frage mich, wie die alten Ägypter den monströsen Behälter hier hinunter gebracht haben.
Das Wasser in der Kammer steht deutlich höher als zu Herodots Zeiten. Die Insel und der Sarkophag, in dem Cheops angeblich geruht haben soll, sind überflutet. Der Sargdeckel liegt auf zwei Holzbalken. Der Kopfteil des Deckels ragt aus dem Wasser.
Analysen weiterer Funde zufolge ist die dritte Ebene mit gut 5000 Jahren etwa doppelt so alt wie die zweite Ebene. Das ergibt meiner Meinung nach keinen Sinn, da man ja von oben nach unten gräbt und nicht umgekehrt.

 

Geheimnisvolle Stollen und Gänge

Über einen halbzerfallenen Holzsteg erreiche ich das andere Ende der Grabkammer, wo ein enger Stollen noch tiefer in die ägyptische Unterwelt führt. Ich zwänge mich hinein. Nach etwa 20 Metern gelange ich in ein kleines Gewölbe, in dem ich mich kaum drehen kann. Von hier aus führt ein gerade mal 40 x 40 Zentimeter großer Schacht nordwärts in Richtung Große Pyramide. Daneben ein zweiter, ebenso winziger Schacht, der nach Osten in Richtung Sphinx abgeht. Die Gänge zu erkunden ist unmöglich. Der ehemalige Chef-Ägyptologe Dr. Zahi Hawass schickte vor Jahren einen kleinen Jungen hinein, der aber nach wenigen Metern stecken blieb und nur mit Mühe wieder herausgezogen werden konnte.

 

Zahi Hawass‘ Thesen und meine Einwände dagegen

Anhand von Keramik-Scherben, Knochenresten, sowie der Anordnung der vier Steinsäulen auf der Felsenplatte, meint Zahi Hawass herausgefunden zu haben, dass es sich bei der Anlage um ein symbolisches Grab und eine heilige Verehrungsstätte des Totengottes Osiris handle.
Der Mythologie zufolge wurde Osiris von seinem Bruder Seth ermordet und zerstückelt. Isis soll den Körper ihres Mannes wieder zusammengefügt und wiederbelebt haben. Seither gilt Osiris als Richter der Toten, Herrscher über die Unterwelt und Garant für ewiges Leben.
Dr. Hawass zufolge ließ Pharao Cheops seine Pyramide so nah beim Osiris-Grab errichten, damit sie auf geheiligtem Grund und Boden stehe.
Interessantes Detail am Rande: Gemäß einer weiteren alten Überlieferung wacht der Erdgott Aker in Gestalt einer Sphinx über das Grab des Osiris.

Einwand 1: Von einer heiligen Verehrungsstätte für einen Gott erwartet man einen Prunkbau ähnlich dem Taltempel bei der Sphinx und kein unscheinbares Erdloch.

Einwand 2: Beim vermeintlichen Götter-Sarg wurden offenbar menschliche Überreste gefunden, was darauf hindeutet, dass der Ort als realer Bestattungsplatz diente.

Einwand 3: Zahi Hawass soll seine Schlussfolgerungen nie wissenschaftlich belegt haben, was bei den Ägyptologen bis heute zu großer Verunsicherung führt. Weitere Forschungen finden derzeit offiziell nicht statt.

 

Fragen / Mutmaßungen 

1) Wie und zu welchem Zweck wurden die winzigen Schächte im Osiris Grab ganz ohne künstliche Beleuchtung und Belüftung vor mehr als 5000 Jahren aus dem Fels geschlagen?
2) Wurde im Osiris Grab tatsächlich Pharao Cheops beigesetzt, wie Herodot berichtet? Die genannten Schächte, die vom Osiris-Grab in Richtung Große Pyramide und Sphinx führen, deuten allerdings darauf hin, dass die Bauten aus derselben Epoche stammen. Das führt zu mehreren Ungereimtheiten:
A) Alten Überlieferungen zufolge sollen die Sphinx und der megalithische Kern des Taltempels bereits vor dem Bau der Großen Pyramide existiert haben.
B) Alten Überlieferungen zufolge soll die Pyramide deutlich älter sein (1) als bisher angenommen.
C) Die Funde aus der dritten Ebene des Osiris-Grabs werden auf mindestens 3000 vor Chr. datiert. Cheops lebte aber erst 400-500 Jahre später. War der vielgerühmte Pharao damit auch nur ein ‚Nachmieter‘, der die Pyramide und die Anlagen rundherum restaurieren und ggf. erweitern ließ?
Siehe dazu auch: Die Gruft der Riesen in Gizeh.

 

Bilder: Gregor Spörri, Felix Buchbinder, Fotoarchiv Zahi Hawass
Illustrationen: Gregor Spörri
Luftaufnahme Gizeh-Plateau: Google-Earth 2009
(1) Interessante Indizien hierzu liefert Erich von Däniken in seinem Buch: Neue Erkenntnisse (Kapitel 2).

error: © Gregor Spörri. All rights reserved