DIE GRUFT DER RIESEN IN SAKKARA

Der Eingang des Serapeums von Sakkara Grundriss des Serapeums nach den Originalzeichnungen von Auguste Mariette Links: Auguste Mariette. Rechts: Auf und neben den Sarkophagen stapelten sich tonnenweise Stein und Geröll. Zeitgenössische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert Als Mariette das Serapeum betrat, waren die Nischen mit den Sarkophagen noch zugemauert. Zeitgenössische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert Die gewaltigen Nischen. Zeitgenössische Darstellung des Serapeums aus dem 19. Jahrhundert Staunende Besucher. Zeitgenössische Darstellung des Serapeums aus dem 19. Jahrhundert Als Auguste Mariette die Gruft betrat, waren sich die Nischen mit den Sarkophagen noch hinter dicken Mauern verborgen Die Sarkopage sind rund 2,3 Meter breit, 3,2 Meter hoch, 4 Meter lang und 70 bis 80 Tonnen schwer. Wurden in diesen Riesen-Sarkophagen tatsächlich nur Stier-Mumien beigesetzt?
Der polierte Sarkophagdeckel schließt luftdicht ab. Egal, wo man das Winkelmessgerät ansetzt, es sind exakt 90° Diese Stiermumie ist 0,7 Meter breit, 1,2 Meter hoch und 1,7 Meter lang. Viel zu klein für solche Monster-Särge Ich vermesse sämtliche 24 Sarkophage Der einzige noch verschlossene Sarkophag wurde von Auguste Mariette mit Dynamit aufgesprengt Das Serapeum ist von Tunneln und Gängen durchzogen. In diesen Nischen befanden sich einst hunderte von Steintafeln, deren geheimnisvolle Inschriften niemand zu entziffern vermochte

Weshalb ich im Serapeum von Sakkara recherchiere

Nagib, ein alter Grabräuber, der mir 1988 den abgehackten Finger eines humanoiden Riesen zeigte, machte eine Andeutung über den wahren Zweck der Cheops-Pyramide. Bei meinen Nachforschungen stellte sich heraus, dass die grob behauenen Steinblöcke in der Felsenkammer unter der Pyramide ähnlich groß sind wie die Sarkophage im Serapeum.

 

Die Entdeckung des Serapeums

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten Forscher keine Skrupel, um ihre Ziele zu erreichen. Man galt nur als erfolgreich, wenn man möglichst viele wertvolle Schätze von seiner Expedition mit nach Hause brachte. Dynamit als Türöffner gehörte zur Standartausrüstung der damaligen ‚Wissenschaftler‘. Verluste wurden bewusst in Kauf genommen. Beim französischen Schatzsucher, Ausgräber und Ägyptologen Auguste Mariette war es nicht anders.

 

Ein wertvoller Schatz

1851 entdeckte Auguste Mariette in Sakkara den Zugang zu einem Grab, in dem er kostbare Schätze vermutete. Generationen von Grabräubern hatten vergeblich nach diesem Zugang gesucht. Mariette glaubte also, er sei der erste, der nach rund 3000 Jahren die gewaltige, rund sieben Kilometer lange unterirdische Totenstätte betrete. Seine Hoffnung schien sich zu bestätigen, denn am Eingang wurde er von der Statue eines Apis-Stieres empfangen. Daneben lagen weitere Statuen und Stelen mit dem Bildnis des Stiers. Der Apis-Stier wurde von den alten Ägyptern als Verkörperung des Hauptschöpfergottes Ptah verehrt, der den Menschen einst aus Ton geformt haben soll. Mariette nahm an, dass er sich im Serapeum befände – einer jahrtausendealten Kult- und Grabesstätte für die heiligen Apis-Stiere, über die griechische Gelehrte schon um das Jahr 25 vor Chr. berichtet hatten. Der Franzose untersuchte die weitverzweigte Anlage und stieß dabei als erstes auf das Grab von Chaemwaset – einem Sohn Pharao Ramses II. Mariette ließ den kostbaren, aus einer unversehrten Mumie und gut 7000 Grabbeigaben bestehenden Schatz nach Paris verschiffen, wo er noch heute im Louvre zu bewundern ist. Nach der Ausräumung von Chaemwasets Gruft widmete sich Mariette dem tieferliegenden Gewölbe, wo er auf 24 zugemauerte Nischen stieß.

 

Die Gruft der Riesen

Der Ausgräber fackelte nicht lange und ließ die Mauern einreißen. Die Nischen, die dahinter zum Vorschein kamen, waren mit Geröll aufgefüllt. Nachdem der Schutt beiseite geschafft war, standen Mariette und seine Gehilfen 24 riesigen Sarkophagen gegenüber. 22 Särge bestanden aus extrem harten Granodiorit, die beiden anderen aus Kalkstein. Mariette rechnete aus, dass jeder Sarkophag-Rohling mit Deckel um die 70 Tonnen wiegen musste.

Der Fund war eine absolute Sensation. Doch etwas stimmte nicht. Die Sargdeckel, mit 23 Tonnen so schwer wie die Tresorraumtüren von Fort Knox, standen einen Spalt breit offen. Ein Blick genügte um festzustellen: Die Särge sind leer. Mariette war schwer irritiert, denn es gab nicht den geringsten Hinweis auf eine Plünderung der Anlage.
Ein einziger Sarkophag schien noch unberührt. Mariette rückte ihm kurzerhand mit Dynamit zu Leibe. Das Erstaunen war groß, denn auch dieser Behälter ist leer. Der Franzose überlegte, ob der Inhalt der Särge an einen anderen Ort verlegt worden sein könnte. Sollte es eine Erklärung dafür geben, würde er sie auf den zahlreichen Steintafeln finden, die in den Wandnischen im Vorraum der Anlage eingelassen sind. Auguste Mariette hatte sich intensiv mit der Hieroglyphen-Schrift beschäftigt, konnte die seltsamen Zeichen auf den Steintafeln aber nicht entziffern. Man sagt, der Franzose habe bis zu seinem Lebensende über die unberührte aber dennoch leere Gruft der Riesen gerätselt.

 

Thesen der Wissenschaft und meine Einwände dagegen

These 1: Das Serapeum diente einst der Verehrung der heiligen Apis-Stiere, die in oberirdisch gelegenen Stallungen lebten. Nach ihrem Tod wurden die Stiere einbalsamiert und in der unterirdischen Nekropole beigesetzt.
Einwand: In den Sarkophagen wurde keine einzige Stiermumie gefunden. Unbekannte Akteure schoben die Deckel gerade mal so weit zurück, dass sie einen Blick in den Sarg werfen konnten.

These 2: Der römische Kaiser Honorius ließ das Serapeum schließen. Mönche des in der Nähe liegenden Klosters des Heiligen Jeremias holten daraufhin die Stiermumien aus den Sarkophagen und zerstörten diese, um den Stierkult damit definitiv zu beenden.
Einwand: Die Stiermumien hätten niemals an einem Stück durch die schmalen Schlitze gepasst. Hätten die Mönche sie zuvor zerkleinert, müssten in den Sarkophagen Überreste davon zu sehen sein, doch es gibt nicht einen Krümel. Bis auf Staubablagerungen sind die Behälter blitzsauber.

Fazit: Von wissenschaftlicher Seite stehen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse über den tatsächlichen Zweck der Anlage zur Verfügung.

 

Offene Fragen

1) Stiermumien sind relativ simple, mit Stroh und Leinenbandagen in Form gebrachte Pakete. Im völligen Gegensatz dazu die Sarkophage, die mit unglaublichem Aufwand und höchster Genauigkeit aus extrem hartem und schwerem Granodiorit gefertigt wurden, der dazu aus dem 1000 Kilometer entfernten Assuan herangeschafft werden musste. Wie geht das zusammen?

2) Weshalb sollten die Ägypter für die Beisetzung der Stiere derart riesige Sarkophage verwenden? Stiere wurden in liegender Stellung mumifiziert. Ihre Mumien sind im Schnitt 1,7 Meter lang, 0,7 Meter breit und 1,2 Meter hoch. Die Sarkophage sind im Schnitt aber 3,8 Meter lang, 2,3 Meter breit und 3,2 Meter hoch. Eine enorme Diskrepanz.

3) Die Apis-Stiere waren den Ägyptern heilig. Es gab keinen Grund, die Tiere auf eine Weise beizusetzen, wie man das vielleicht mit Ungeheuern getan hätte. Allein die Deckel der Sarkophage wogen schon um die 25 Tonnen. Danach wurden auch noch massive Steinblöcke oben auf die Deckel geschichtet, die Nischen mit tonnenschwerem Geröll gefüllt und zugemauert. Teilweise waren die Sarkophage auch noch in den Boden eingemauert, was dem Bestattungsverhalten der alten Ägypter komplett widerspricht.

4) Was ist mit den ominösen Steintafeln passiert, die sich einst in den Wandnischen im Vorraum der Anlage befanden? Wurden sie zerstört oder an einen anderen Ort gebracht? Welche Informationen/Botschaften waren in die Tafeln geritzt?

5) Gibt es zwischen der Gruft der Riesen in Sakkara und der Gruft der Riesen in Gizeh womöglich eine Verbindung?

 

Besichtigung des Serapeums

Seit 2011 ist die Anlage für Besucher zugänglich. Leider ist bei der Renovation viel Ursprüngliches verlorengegangen. So wurde der originale Untergrund mit einem hässlichen Parkettboden überdeckt und in den Nischen wurden zum Schutz gegen Einstürze dicke grün bemalte Stahlgerüste montiert.

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