DIE GRUFT DER RIESEN IN SAKKARA

Der Eingang des Serapeums von Sakkara.Grundriss des Serapeums nach den Originalzeichnungen von Auguste Mariette.Links: Auguste Mariette. Rechts: Auf und neben den Sarkophagen stapelten sich tonnenweise Stein und Geröll.Serapeum von Sakkara. Zeitgenössische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.Serapeum von Sakkara. Zeitgenössische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.Serapeum von Sakkara. Zeitgenössische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.Gregor Spörri erkundet das Serapeum von Sakkara.Einer der 70 Tonnen schweren Sarkophage im Serapeum von Sakkara.Gregor Spörri vermisst einen der gigantischen Sarkophage im Serapeum von Sakkara.Der polierte Sarkophagdeckel schließt luftdicht ab.Ägyptische Stiermumie im Louvre Paris.Gregor Spörri vermisst alle 24 Sarkophage im Serapeum.Gregor Spörri untersucht den von Augste Mariette mit Dynamit aufgesprengte Sarkophag.Das Serapeum ist von Tunneln und Gängen durchzogen.Vorplatz im Serapeum.

Forschungsbericht von Gregor Spörri

Weshalb ist das Serapeum in Sakkara von Interesse für mich? Nagib – der alte Grabräuber – der mir 1988 den abgehackten Finger eines humanoiden Riesen zeigte, machte auch eine Andeutung über den wahren Zweck der Großen Pyramide. Im Laufe meiner Nachforschungen stellte sich dann heraus, dass die in der unvollendeten Kammer unter der Pyramide aus dem Fels geschlagenen beiden Blöcke – die wie unfertige Riesen-Sarkophage aussehen – ähnlich groß sind wie die Sarkophage im Serapeum.

 

Die Entdeckung des Serapeums

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es bei Forschern keine Skrupel, damit sie ihre Ziele erreichten. Man galt nur als erfolgreich, wenn man möglichst viele wertvolle Schätze von seiner Expedition mit nach Hause brachte. Dynamit als Türöffner gehörte zur Standartausrüstung der damaligen ‘Wissenschaftler’. Verluste wurden bewusst in Kauf genommen. Beim französischen Schatzsucher, Ausgräber und Ägyptologen Auguste Mariette war das nicht anders.

 

Ein wertvoller Schatz

1851 entdeckte Auguste Mariette in der Nähe der Djoser-Pyramide den Zugang zu einem Grab, in welchem er kostbare Schätze vermutete. 3000 Jahre lang hatten Grabräuber vergeblich nach diesem Zugang gesucht. Mariettes Annahme schien sich zu bestätigen, denn gleich hinter dem Eingang wurde er von einer unversehrten Apis-Stier-Statue empfangen. Daneben lagen weitere Statuen und Stelen mit dem Bildnis des Stiers.
Der Apis-Stier wurde von den alten Ägyptern als Verkörperung des Hauptschöpfergottes Ptah verehrt, welcher den Menschen einst aus Ton geformt haben soll.
Mariette nahm an, dass er sich im sog. Serapeum befände – einer jahrtausendealten Kult- und Grabesstätte für die heiligen Apis-Stiere, von der griechische Gelehrte schon um das Jahr 25 vor Chr. berichtet hatten. Der Franzose untersuchte die weitverzweigte Anlage und stieß dabei als erstes auf das Grab von Chaemwaset – einem Sohn Pharao Ramses II. Mariette ließ den kostbaren, aus einer unversehrten Mumie und gut 7000 Grabbeigaben bestehenden Schatz nach Paris verschiffen, wo Teile davon bis heute im Louvre zu bewundern sind. Nach der Ausräumung von Chaemwasets Gruft (kleine Galerie) widmete sich Mariette dem tieferliegenden Gewölbe, wo er auf 24 mächtige Nischen stieß, die mit Geröll angefüllt waren, das offensichtlich von der Decke heruntergefallen war (große Galerie).

 

Die Gruft der Riesen

Nachdem das Geröll entfernt war, standen Mariette und seine Gehilfen 22 riesigen Sarkophagen gegenüber. Zwei weitere waren in Seitengängen abgestellt worden. Jeder der Behälter war aus einem einzigen Steinblock gefertigt. Verwendet wurden verschiedene Granitarten wie Rosengranit, grauer Granit, Diorit, Syenit, Gabbrodiorit, Granodiorit – alles sehr harte und nur sehr schwer zu bearbeitende Materialien. Mariettes Begleiter Linant de Bellefonds vermaß einen der Sarkophage und berechete daraus ein Gewicht von mindestens 65 Tonnen.
Der Fund war eine absolute Sensation, doch etwas stimmte nicht damit: Die Sargdeckel, mit über 20 Tonnen so schwer wie die Tresorraumtüren von Fort Knox, standen alle einen Spalt breit offen. Ein kurzer Blick hinein genügte – die Sarkophage waren leer. Mariette war irritiert, denn es gab nicht den geringsten Hinweis auf eine Plünderung der Anlage. Dennoch musste sich irgendwer schon einmal an den Särgen zu schaffen gemacht haben.
Nur ein einziger Sarkophag schien noch unberührt. Mariette und seine Helfer versuchten den tonnenschweren Deckel beiseite zu schieben. Es gelang ihnen nicht. Also rückten sie dem Sarg mit Dynamit auf den Leib. Nachdem sie ein großes Loch in den Behälter gesprengt hatten, war ihr Erstaunen groß, denn auch dieser Behälter war leer. Mariette überlegte, ob der Inhalt der Särge womöglich an einen anderen Ort verlegt worden war. Sollte es eine Erklärung dafür geben, würde sie auf den zahlreichen Stelen in den Wandnischen im Vorraum der Anlage zu finden sein. Auguste Mariette hatte sich intensiv mit der Hieroglyphen-Schrift beschäftigt, konnte die Zeichen auf den Stelen aber nicht entziffern. Der Franzose – so sagt man – habe bis zu seinem Lebensende über die unberührte aber dennoch leere Gruft der Riesen gerätselt.

 

Die offizielle Wissenschaft und meine Einwände

Offizielle Wissenschaft 1: Das Serapeum diente einst der Verehrung der heiligen Apis-Stiere, welche in oberirdisch gelegenen Stallungen lebten. Nach ihrem Tod wurden die Stiere einbalsamiert und in der unterirdischen Nekropole beigesetzt.
Einwand: Das Serapeum besteht aus zwei unterschiedlichen Anlagen: Die sog. große Galerie und die kleine Galerie. In der kleinen Galerie wurden in Holz-Sarkophagen tatsächlich mumifizierte Körper von Menschen und Stieren beigesetzt. Aus diesem Teil der Nekropole stammen auch die von Mariette gehobenen Schätze und die Artefakte, welche damals auf den Märkten in Kairo feilgeboten wurden.
Die große Galerie ist etwas völlig anderes: Nur hier gibt es die steinernen Riesen-Sarkophage. Weil die Ägyptologen ihren wahren Verwendungszweck nicht kennen, postulieren sie die These, diese Behälter hätten ebenfalls Stiermumien enthalten – das ist nicht Wissenschaftlich.

 

Offizielle Wissenschaft 2: Der römische Kaiser Honorius ließ das Serapeum schließen. Mönche des in der Nähe liegenden Klosters des Heiligen Jeremias holten daraufhin die Stiermumien aus den Sarkophagen und zerstörten diese, um den damals vorherrschenden Stierkult zu beenden.
Einwand: Die Stiermumien hätten niemals in einem Stück durch die engen Schlitze gepasst. Hätten die Mönche die Mumien zuvor in Stücke geschlagen – z.B. mit Holzstöcken, müsste es Reste davon geben. Doch die Särge sind blitzsauber und Auguste Mariette hatte mit keinem Wort irgendwelche Mumienreste erwähnt.
Fazit: Es gibt derzeit keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über den tatsächlichen Zweck der großen Galerie und der Riesen-Sarkophage.

 

Weitere Überlegungen und Fragen

1) Stiermumien sind relativ simple, mit Stroh und Leinenbandagen in Form gebrachte Pakete. Diese in passenden Holzsärgen (kleine Galerie) beizusetzen, macht Sinn. Keinen Sinn macht hingegen eine Beisetzung in Granit-Sarkophagen. Diese wurden mit unglaublichem Aufwand und höchster Genauigkeit aus hartem, schwerem Granit hergestellt, der zuvor aus dem 1000 Kilometer entfernten Assuan herangeschafft werden musste. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis.

2) Weshalb sollten die Ägypter für die Beisetzung der Stiere derart riesige Behälter verwenden? Die Tiere wurden in liegender Stellung mumifiziert. Ein solches Stiermumien-Paket ist im Schnitt 1,7 Meter lang, 0,7 Meter breit und 1,2 Meter hoch. Die Sarkophage sind im Schnitt aber 3,8 Meter lang, 2,3 Meter breit und 3,2 Meter hoch. Eine enorme Diskrepanz!

3) Die Apis-Stiere waren den Ägyptern heilig. Es gab keinen Grund, die Tiere auf eine Art und Weise bestatten, wie man das vielleicht mit Ungeheuern getan hätte. Weshalb wurden 20 Tonnen schwere Sargdeckel verwendet, welche die Behälter luftdicht verschlossen, obwohl die Körper mumifiziert waren?  Weshalb wurden die Sarkophage zum Teil in den Boden eingemauert, obwohl das den Bestattungsbräuchen der alten Ägypter komplett widerspricht?

4) Was ist mit den von Auguste Mariette beschriebenen ominösen Stelen, die sich einst in den Wandnischen im Vorraum der Anlage befunden haben? Wurden sie zerstört oder an einen anderen Ort gebracht? Welche Informationen/Botschaften befanden sich auf diesen Stelen?

5) Die Sarkophage sind außen teilweise nicht sehr präzise gearbeitet. Jeder Sarg hat seine eigene  Größe und Form. Ihr Gewicht schwankt zwischen 60 und 80 Tonnen. Das Innere ist jedoch perfekt: Völlig glatte Innenseiten. Exakte 90° Winkel. Scharfe Innenkanten mit einem Radius von nur 4 Millimetern u.s.w …

6) Mit welchen Werkzeugen hatten die alten Ägypter das extrem harte Granit so exakt bearbeiten und polieren können? Das härteste Metall, was sie offiziell hatten, war Eisen. Bis heute ist das Bearbeiten von Granit eine enorme technische Herausforderung, bei der Spezialmaschinen zum Einsatz kommen.

7) Drei der 24 Sarkophage besitzen Inschriften. Die oberflächlich und laienhaft eingeritzten Hieroglyphen nennen Könige aus der 26. und 27. Dynastie (400 – 500 vor Chr.). Die schlechte Qualität erweckt den Eindruck, dass sie nicht von den Steinmetzen stammen, welche die Särge herstellten.

(8) Könnte es einen Zusammenhang geben zwischen der Gruft der Riesen in Sakkara und der Gruft der Riesen in Gizeh? (Felsenkammer in der Große Pyramide).

 

Besichtigung des Serapeums

Seit 2011 ist die große Galerie für Besucher zugänglich. Leider ist bei der Renovation viel Ursprüngliches verlorengegangen. So wurde der originale Untergrund mit einem Parkettboden zugedeckt und in den Sarg-Nischen wurden zum Schutz gegen Einstürze massive Stahlgerüste eingebaut.

 

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