DIE GROTTEN VON HUANGSHAN

Die Hängebrücke über den Xin'an führt zum ausgehöhlten Blumenberg Mit Höhlenspezialist Professor Zhifa Yang Die Grotte Nr. 24: Der gewaltige Eingangsbereich kann nur mit Booten befahren werden. Alles übrige steht unter Wasser. Grundriss der Grotte Nr. 35 Der Eingang zur Grotte Nr. 35 Grotte Nr. 2: Nach dem Abpumpen des Wassers stürzt die Decke stellenweise ein Grotte Nr. 35: Skurill gearbeitete Felsstrukturen und freihängende Terrassen Grotte Nr. 35: Eine freistehende doppelstöckige H-Struktur Grotte Nr. 35: Alles wirkt sehr mysteriös und fremdartig Grotte Nr. 35: Eine prähistorische Felsenhalle wie aus einem Fantasy-Film
Grotte Nr. 35: Hunderte Meter tief im Berg. Wer hat dieses gewaltige Labyrinth geschaffen und wozu? Grotte Nr. 35: Ich vermesse diese wie für Riesen gemachten Treppenstufen Grotte Nr. 2: Ein Dutzend bizarr ausgestalteter Nischen reiht sich aneinander Grotte Nr. 2: Hunderte Meter tief im Berg ein gewaltiges futuritisches Tor. Wozu? Grotte Nr. 2: Eine prähistorische Säulenhalle wie aus "Indiana Jones". Grotte Nr. 2: Jahrtausendealte Steinsäulen wie aus einem Science-Fiction-Film Grotte Nr. 35: Eine sonderbar gestaltete riesige Nische mit einer zweiten Nische darin Die Nische in der Nische. Wozu diente die skurille Form? Eine Liegestatt für Riesen? Ein Altar?
Prähistorische Kunst? Grotte Nr. 35: Welche Zivilisation gestaltet hunderte Meter tief im Berg und in völliger Dunkelheit so eine Wand? Grotte Nr. 35: Spuren eines hochmodern anmutenden Werkzeugs zur Steinbearbeitung. Grotte Nr. 35: Was haben sich die Erbauer bei der Ausgestaltung gedacht? Ich vermesse eine mit Ornamenten verzierte Grube. Sie ist gleich groß wie die Riesen-Sarkophage im Serapeum von Sakkara
Grotte Nr. 35: Ich untersuche eines der vielen unterschiedlichen Ziermuster an den Decken, Wänden und Säulen. Grotte Nr. 35: Wie mit einer hochmodernen Fräse gemacht: Eine der zahllosen Deckenverzierungen Grotte Nr. 35: Die Übergänge von den Deckenteilen zu den Stützsäulen wurden mit akribischer Genauigkeit ausgeführt Grotte Nr. 35: Die Übergänge von den Deckenteilen zu den Stützsäulen wurden mit akribischer Genauigkeit ausgeführt Grotte Nr. 35: Die Übergänge von den Decken zu den Wänden wurden mit akribischer Genauigkeit gefertigt. Wozu? Grotte Nr. 35: An Decken, Wänden und Säulen gibt es 21 unterschiedliche Ziermuster-Arten zu bestaunen Grotte Nr. 35: Obwohl tief im Berg und ohne Licht, die Ziermuster sind perfekt gearbeitet

Die Grotten von Huangshan

Erste historische Hinweise auf Huangshan, was so viel wie Blumenberg bedeutet, sind gute 3000 Jahre alt. In Aufzeichnungen aus der Zeit der Han-Dynastie heißt es, Taoisten würden seit mindestens 2200 Jahren nach Huangshan pilgern, um beim Berg mit den fünf Gipfeln zu meditieren, die an Blütenblätter einer offenen Blume erinnern.
Am Unterlauf des Xin’an, 12 Kilometer von Huangshan-City, (Provinz Anhui), meißelte eine unbekannte Zivilisation vor unbekannter Zeit eine gewaltige, sieben Quadratkilometer große unterirdische Anlage aus dem Fels. Der ‚Blumenberg‘ ist durch den Bau dieser Anlage innen fast hohl. Forscher lokalisierten bislang 36 Grotten, vermuten noch weitere Höhlen und glauben, dass sie alle untereinander verbunden sein könnten.
Bei ihrer Entdeckung im Jahr 1999, lag das gesamte Höhlensystem komplett unter Wasser. Inzwischen kann der Eingangsbereich der Höhle Nr. 24 mit Booten befahren werden. Die Höhlen Nr. 2 und Nr. 35 wurden weitgehend leergepumpt, von Schutt und Schlamm befreit, und können begangen werden. Obschon die Chinesen eifrig alles Zeitgeschichtliche dokumentierten, existieren keinerlei Aufzeichnungen über diese Grotten. Auch haben die Einheimischen keine Traditionen oder Legenden entwickelt, wie es bei einem derart gigantischen Bauvorhaben zu erwarten gewesen wäre.

 

Thesen chinesischer Experten / Meine Einwände dagegen

These 1: Unsere Vorfahren haben die Höhlen in den Fels gegraben, um mit den herausgeholten Steinen ihre Häuser zu bauen. Die Steine wurden mit Schiffen über den nahen Xin’an-Fluss abtransportiert.
Einwand 1: Zum Bau von Häusern hätte man die Steine um einiges einfacher im Tagebau gewinnen können.
Einwand 2: Zwar wurden gut 200’000 Kubikmeter Fels aus dem Berg geholt, was etwa 5’500 offenen Güterwaggons entspricht, doch es gibt nicht ein einziges Bauwerk, das aus dem unverwechselbaren gefleckten Stein des ‚Blumenbergs‘ errichtet worden wäre.
Einwand 3: Als die Steine aus dem Berg geschlagen wurden, muss der Wasserstand gute 30 Meter tiefer gewesen sein als heute. Der Xin’an, auch beim heutigen Wasserstand kein tiefer Fluss, kann zu der Zeit bestenfalls ein Bach gewesen sein. Die These eines Abtransports der Steine durch Schiffe, fällt damit förmlich ins Wasser.
Einwand 4: Die zum Teil sehr kleinen Eingänge und die zahllosen fein herausgearbeiteten Ziermuster an den Decken, Wänden und Säulen der Grotten, stehen in völligem Widerspruch zur Steinbruch-These.

 

These 2: Die Höhlen sind ehemalige Lager militärischer Einheiten. Die Geschichte besagt: Um 1120 nach Chr. war es in diesem Gebiet zu einem großen Bauernaufstand gekommen.
Einwand 1: Anhand der Länge von Stalaktiten konnten Wissenschaftler errechnen, dass die Höhlen auf jeden Fall vor 300 nach Chr. entstanden sein müssen.
Einwand 2: Die zahllosen fein herausgearbeiteten Ziermuster an den Decken, Wänden und Säulen der Grotten, stehen in völligem Widerspruch zur Lagerstätten-These.

 

These 3: Die Höhlen dienten als Tempel zur Meditation buddhistischer Mönche.
Einwand 1: In den Höhlen fehlen die typischen Darstellungen buddhistischer Gottheiten. Es gibt weder Wandmalereien noch Einritzungen.
Einwand 2: Die Ausmaße der Anlage unvergleichlich und viel zu gewaltig, um sie als Tempel einzustufen.

 

These 4: Die Höhlen wurden als imperiale Mausoleen errichtet. Ein altes Sprichwort besagt: „Es ist eine Ehre, in Suzhou zu leben, in Liuzhou zu sterben und in Huizhou (Huangshan) begraben zu werden“.
Einwand: Wären tatsächlich Kaiserfamilien für dieses großartige Werk verantwortlich gewesen, bestünden mit Sicherheit irgendwelche historischen Aufzeichnungen darüber.

 

These 5: Die Höhlen wurden von einer frühen, untergegangen Zivilisation (womöglich vergeblich) als Schutzbunker vor einer kosmischen Katastrophe geschaffen. Für diese These spricht, dass es weltweit uralte unterirdische Anlagen gibt, von denen niemand weiß, wer sie wann und wieso gebaut hat.
Einwand: Die Verzierungen stehen im Widerspruch zu einer Schutzbunker-Theorie.

 

These 6: Die glaubwürdigste aller Thesen lautet: Die Höhlen sind nicht das Projekt einer Dynastie oder einer Periode. Sie wurden über Hunderte oder Tausende von Jahren gegraben und dienten in der Zeit unterschiedlichsten Zwecken. Damit wäre auch erklärt, weshalb in einer Höhle bis zu 21 verschiedene Arten von Meißel-Spuren und Verzierungen vorkommen.
Einwand: Die unterschiedlichen Ziermuster liegen zum Teil sehr nahe beieinander, oder überschneiden sich sogar, was darauf schliessen lässt, dass die Muster zur selben Zeit oder zumindest zeitnah entstanden sind. Beispiel: Es gibt rechteckige Gruben (Gräber?), in denen maximal zwei Personen ungehindert arbeiten konnten. Dennoch sind die Wände mit unterschiedlichen Reliefs versehen.

 

Die Grotte Nr. 35

Bevor die Grotte erforscht werden konnte, mussten 20.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll herausgeschafft, und über 18.000 Tonnen Wasser abgepumpt werden. Von allen bisher vermessenen Höhlen (Nr. 2, 24, 33, 34, 35) ist diese U-förmige Anlage die Größte. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von 12.600 Quadratmetern. Der Eingang ist relativ klein und führt durch einen 20 Meter langen Tunnel. Die tiefergelegenen Stellen der Grotte befinden sich noch immer gut zwei Meter unter Wasser. Das Tiefengefälle innerhalb der Anlage beträgt stattliche 25 Meter. Die Decken werden von bis zu 4 x 9 Meter großen und 18 Meter hohen Säulen gestützt.
Sobald man die bizarre Anlage mit ihren 36 Kammern, Räumen und Hallen betritt, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Stellenweise glaubt man durch das Set eines Fantasy-Films zu wandeln. Säulen, Podeste, Nischen, Brücken, Gruben und Wege zeigen rätselhafte Formen, Strukturen und Verzierungen, wie es sie sonst nirgends gibt auf der Welt. Und dann sind da noch diese Treppen, deren Stufen wie für Riesen gemacht sind, oder die rechteckigen verzierten Gruben, die ähnliche Maße aufweisen wie die Riesen-Sarkophage in Sakkara, Abydos oder Gizeh.

 

Rätsel über Rätsel

Da gibt es zum Beispiel eine schräge Wand mit einem Winkel von 45 Grad gegenüber der Senkrechten. Sie hat eine Höhe von 30 Metern und eine Breite von 15 Metern. Forscher fanden mithilfe von Infrarotstrahlen heraus, dass die Wand den exakt gleichen Winkel aufweist wie die Bergflanke. Die Mauer ist gerademal fünf Meter von der ‚Außenwand‘ des Berges entfernt. Wäre die Grabrichtung nicht rechtzeitig geändert worden, hätten die Arbeiter unweigerlich den Berg durchbrochen.
Frage 1: Wie konnten die steinzeitlichen Bauherren wissen, wo genau im Berg sie sich befanden?
Frage 2: Mit welchen Hilfsmitteln konnten sie den exakten Winkel der Wand zur Bergflanke berechnen?
Frage 3: In der Höhle wurden weder Rußspuren noch andere Anzeichen für durch Feuer erzeugtes Licht entdeckt. Wie aber soll die in kompletter Dunkelheit liegende riesige Anlage ohne Licht erbaut worden sein?

Meine Überlegung dazu: Nicht nur in China, sondern rund um den Globus gibt es Bauten und künstliche Höhlensysteme, welche bis zu 35 Meter tief unter Wasser liegen. Als sie erbaut wurden, muss der Meeresspiegel also um diese Meter tiefer gelegen haben. Doch wann war das? Die letzte Eiszeit begann vor etwa 110.000 Jahren und endete vor etwa 12.000 Jahren. In dieser Periode kam es zu einer Abkühlung des Klimas auf der ganzen Erde, verbunden mit weiträumigen Vergletscherungen und einem Absinken des Meeresspiegels.
Die nächste Warmzeitperiode verbunden mit einem Wiederanstieg des Meeresspiegels, begann also vor rund 12.000 Jahren.

Das bedeutet: Bauten, die heute 20 bis 30 Meter unter Wasser liegen, müssen zwingend um die 10.000 Jahre alt sein, weil sie später gar nicht mehr errichtet werden konnten. Dieser simplen aber bestechenden Logik zufolge, stammen auch die Grotten von Huangshan aus einer Zeit vor der ‚biblischen Sintflut‘ und reihen sich damit ein in die ungelösten Rätsel der Antike, zu denen auch die ägyptischen Pyramiden zählen.

 

Mutige Forscher

Einige chinesische Wissenschaftler sind so mutig und führen die Paläo-SETI-These ins Feld. Ihrer Ansicht nach wurden die Grotten in prähistorischer Zeit mit der Unterstützung von Reisenden aus dem Weltraum errichtet. Eine Infotafel beim Eingang zu den Grotten weist auf diese Möglichkeit hin.

error: © Gregor Spörri. All rights reserved